Eine Weihnachtsgeschichte

Ort: Warenanlieferung Weinhandlung Abel in Lüdenscheid, eine kleinere Seitenstraße. Morgens.

Es hat geschneit in den letzten Tagen, die Straßen sind erkennbar schmaler geworden. So ist von allen Leuten im Moment gegenseitige Rücksichtnahme gefordert. Ich hatte es sowieso nicht besonders eilig und war recht gut gelaunt. Ich befahre also die kleine Seitenstraße, die halb von einem LKW blockiert wird. Die Weinhandlung bekommt wohl neuen Sprit. Das ist halt der Nachteil eines zentral gelegenen Händlers: Warenanlieferung ist schwierig. Ein Streifen neben dem LKW ist aber noch frei und wenn man über den abgesenkten Bordstein fährt, dann kommt man vorbei.

Ach Mist. Ein Schneehaufen direkt neben der Einfahrt der Weinhandlung. Nicht groß, 2 Minuten Sache den mit einer Schaufel zu beseitigen. Naja, was solls, warte ich halt.

Zugegeben, die Warterei war nicht schlimm. Der Anlieferungsfachkontrolleuranwärter der Weinhandlung und der LKW-Fahrer haben ein grossartiges Unterhaltungsprogramm abgegeben. Alleine schon zu beobachten, wie der Fahrer in aller Seelenruhe erstmal seinen LKW umräumt, während sich ein Fahrzeug nach dem Anderen hinter mir wartend einreiht, hatte etwas durchaus meditatives.

Nachdem der Laderaum zur Zufriedenheit des Fahrers umdekoriert war, ging es weiter. Palette auf die Ameise und dann die Laderampe absenken. Ohh, ohh… dachte ich mir. Das sieht eng aus.

Und so war es. Schnee am Bordstein blockierte die vollständige Absenkung obiger Rampe. Grosse Ratlosigkeit. Den LKW umsetzen? Anscheinend keine Option. Also: Rampe rauf und wieder runter. Rauf und wieder runter. Vielleicht geht es beim nächsten Versuch. Immer noch nicht. Jetzt stehen beide da. Die Krone der Schöpfung. Ratlos. Hilflosigkeit im leeren Blick.

Doch dann… das eine Männchen fängt an, gegen das Hindernis zu treten. Erst zaghaft, dann immer heftiger. Das andere Männchen eilt herbei und hilft ihm. Tritt um Tritt wird auf den vereisten Schnee eingeprügelt.  Eine Szene wie aus Kubricks "2001".

Neuer Versuch. Rampe hoch, wieder runter. Es geht immer noch nicht. Jetzt wird es den Beiden zu bunt. Trotz noch teilweise hochgefahrener Rampe wird abgeladen. Dann halt mit Gewalt. Die Palette wackelt, es gibt einen lauten Knall. Palette ist unten. Man kann den beiden ihr Glück förmlich ansehen. "Geschafft! Wir haben es geschafft!"

Die Palette wird in das Fusellager verbracht, die Frachtpapiere vermutlich mit Blut abgezeichnet. 

"Guten Morgen!",  rufe ich. "Wenn Sie den Schneehaufen da mal wegschaufeln, dann kommen die Autos hier auch wieder durch. Sie kriegen ja bestimmt noch öfter eine Anlieferung. Dann staut sich der Verkehr nicht so."

"Ist Ausnahmesituation!", entgegnet es mir.

"Ja sicher, aber wenn der kleine Schneehaufen weg ist, dann wird hier nicht alles blockiert.", erkläre ich dem sichtlich irritierten Mann, den ich rüde aus seinem Triumph über die Elemente gerissen habe.

"Neee. Das ist STL. Is nich meine Aufgabe!", brüllt es mir entgegen. Die "STL" ist für die Straßenräumung in Lüdenscheid zuständig.

Tja, so ist das in Deutschland. Da ist der kleine Booze-Dealer aus einer kleinen Stadt, der es nicht für nötig hält, die Behinderungen durch seine kleine Trinkhalle möglichst gering zu halten. Da wird lieber direkt in Konfrontation mit potentiellen Kunden getreten. Ohne zu wissen, wer da im Auto sitzt. Ob der eventuell Kunde ist, werden könnte oder gar Caterings plant, für die dann sicherlich zukünftig andere Getränkebuden angefragt werden.

Ich für meinen Teil, kann diesen Laden nicht weiterempfehlen. Wie auch. Wer sich so wenig um die Zufriedenheit anderer Leute schert, ist im Dienstleistungsgewerbe schlicht falsch aufgehoben.

Früher oder später ist dieser Typus Geschäft und Mensch aber sowieso ausgestorben. Danke, Internet.